Dein Job un Du
Eine Tatsache die mich immer wieder fasziniert ist wie effektiv Leute sich selber belügen und täuschen können, wenn es um ihren Beruf geht. Entweder muss man das Gefühl haben viele haben ihren Beruf nur um eine weitere Möglichkeit zu haben, sich über etwas zu beschweren, oder man glorifiziert seinen Beruf und nebenbei auch noch sich selber so sehr, dass man den Eindruck bekommt, sie sind in göttlicher Mission unterwegs.
Erstere sind diejenige, welche jede Möglichkeit nutzen um zu erzählen wie schlimm es läuft, schlechte Arbeitszeiten, wenig zu tun (austauschbar mit zu viel zu tun), nervige, dumme Mitarbeiter und vom Chef wollen wir lieber gar nicht erst anfangen. Ich könnte schon fast Mitleid bekommen, wenn nicht jedesmal in Neon-Leuchtschrift vor meinem inneren Auge die Frage(n) aufkommen:
Wieso erzählst du mir das?
Vor allem aber: Wieso arbeitest du dann noch da, wenn es doch scheinbar die (schlecht) bezahlte Hölle ist?
Jetzt bin ich mir der Einwände bewusste dass man nicht mal eben so seinen Beruf wechseln kann, vor allem in der momentanen Zeit nicht. Aber dann ist meine Bitte: Eintscheide dich für eine Seite, entweder übe deinen Beruf aus und lebe damit, oder such dir einen neuen und beschwer dich über den alten so viel wie du willst.
Ironischer weise sind die beschriebenen Leute meist in Positionen die man wohl eher der unteren Karriereebene zuordnen muss. Es ist nicht so, dass sie Vorstandsvorsitzender einer an der Börse notierten Firma sind, Chef von hunderten von Leuten oder überhaupt nur irgendwie unabdinglich wichtig für ihre Firma. Sie sind austauschbar! Nutzt den Vorteil ihr unmontivierten, schlecht ausgebildeten Nörgler!
Der zweite Typus ist da schon etwas komplizierter. Er erweckt den Eindruck sein Job rettet Leben, lässt den deutschen Wirtschaftsmotor weiter laufen und das auch noch völlig selbstlos. Er setzt sein Leben aufs Spiel um seinen Job auszuführen, kennt weder Gefahr nocht schlechtes Wetter. Problem an dieser Sichtweise ist, dass auch nur er das so sieht. Allerdings wird gerade in letzter Zeit dieses Bild immer öfter auch durch Medien vermittelt. Kein Tag an dem wir nicht von den gefährlichsten Berufen der Welt hören (Industrietaucher, Hochspannungstechniker, Kinderbetreuer bei IKEA), nicht verstehen dürfen, dass der größte Burger der Welt tatsächlich eine Leistung ist auf die man stolz sein kann.
Und durch diese mediale Symbiose zwischen möchtegern-wichtigen-Leuten und dem künstlichen Bild spannender, wichtiger und herausragender Tätigkeiten, sehen immer mehr diese Selbstblendung als Tatsache an.
Du hast nichts geleistet auf das du stolz sein kannst, wenn du einen 200 Kilo Burger gebraten hast. Das ist dumm! Nur weil vier Dutzend Dorftrottel gekommen sind um kostenlos zu essen und mal ein Kamerateam von Kabel1 zu sehen, wird der Trottelburger nicht wichtig!!
Nur weil du 50 Jahre lang 40 Stunden die Woche einem harten Beruf nachgegangen bist, ist nichts geschehen für das man Lob verdient hätte.
Ich sage ja nicht das ich den Gedanken nicht verstehe warum man sich selber einredet körperlich harte Arbeit sei irgendwie etwas auf das man mit Stolz zurück blicken kann, aber wenn gilt das nur für einen selber und für niemand sonst.
Wer erwartet nach Jahrzehnten harter Arbeit eine Urkunde zu bekommen mit der Aufrschrift: "Danke das sie sich so lange für uns kaputt gearbeitet haben. (P.S. Sorgen sie bitte dafür dass sie alle persönlichen Gegenstände bis spätestens morgen aus unserer Firma entfernt haben)", sollte sich ernsthaft nochmal Gedanken darüber machen was Arbeit bedeutet. Selbst wenn man eine gewisse Anerkennung erfährt, was zählt diese schon? Nur weil der Chef einen lobt, heißt das noch nicht das er ab jetzt die Drecksarbeit macht, sondern eher das er weiß welchen Effekt so ein Lob hat und nochmal ein klein wenig Motivation in den Gutgläubigkeitsofen schütten wollte.
Ich sage nichts gegen Leute die ihre Arbeit gerne machen, die sich wirklich kaputt Arbeiten und das Jahrzehnte lang. Aber wer nach diesen Jahrzehnten immer noch nicht verstanden hat, das nur weil er sich immer bemüht hat, niemand in 50 Jahren sagen wird: "Wisst ihr noch, damals der So-und-So, der wusste noch wie man richtig arbeitet". Niemand interessiert sich dafür wie hart oder auch nicht man arbeitet, außer der Chef oder die Arbeit hat Einfluss auf sehr viele Menschen.
Deshalb mein Arbeitszeugnis für alle die so ignorant über ihren Beruf denken:
Er hat sich stetig stark bemüht..
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